Typ-2-Diabetes
Die Versorgung der Diabetes-Patienten verbessern

Die Versorgung von Menschen mit Diabetes ist eine medizinische Herausforderung. Sie wird aufgrund der weiterhin steigenden Krankheitszahlen zu einem drängender werdenden Problem im deutschen Gesundheitswesen. Wie den anstehenden Fragen und Herausforderungen zu begegnen ist, diskutierten namhafte Experten beim „3. Nationalen Workshop Diabetes-Versorgung“ unter Leitung von Professor Dr. Bertram Häussler am IGES Institut Berlin.

Die Zahl der Typ-2-Diabetiker steigt und steigt: Weltweit sind derzeit rund 246 Millionen Menschen betroffen und es wird erwartet, dass sich die Zahl bis 2030 auf 440 Millionen erhöht (1). „Der Typ-2-Diabetes stellt eine weltweit zunehmende Epidemie dar“, betonte Professor Dr. Stephan Matthaei aus Quakenbrück in Berlin. Die damit verbundenen Probleme drohen erdrückend zu werden: „Bereits jetzt werden rund 20 Prozent der GKV-Ausgaben für die Behandlung des Diabetes und seiner Folgeerkrankungen aufgewandt“, erläuterte Thomas Isenberg als gesundheitspolitischer Sprecher der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus beim Diabetes-Workshop.

Steigende Inzidenz, steigende Kosten
Die Zahl der Menschen mit Diabetes wird laut Matthaei in Deutschland derzeit auf acht Millionen geschätzt, und die Kosten, die die Erkrankung verursacht, liegen in einer Größenordnung von rund 16 Milliarden Euro pro Jahr. Sie werden nach seinen Worten maßgeblich von Diabetes-bedingten Folgekomplikationen verursacht, was zentrale Bedeutung für die Behandlung hat: So muss es nach Matthaei zum einen darum gehen, eine konsequente Prävention des Typ-2-Diabetes zu realisieren, zum anderen aber muss zugleich die Therapie bereits erkrankter Diabetiker optimiert werden, um Folgeerkrankungen vorzubeugen.

» Die Diabetestherapie muss dem Prinzip „as close to normal – as safe as possible“ folgen. «
Professor Dr. Stephan Matthaei, Quakenbrück

Mit dazu beizutragen, entsprechende Strategien zu erarbeiten, ist nach Häussler Ziel des „Nationalen Workshops Diabetes-Versorgung“, der in diesem Jahr bereits zum dritten Mal von der Allianz von Bristol-Myers Squibb und AstraZeneca unterstützt wurde. Häussler machte vor Ort zudem darauf aufmerksam, dass Typ-2-Diabetiker in Deutschland im internationalen Vergleich überproportional häufig mit Insulin behandelt werden. Dies sei nicht unproblematisch, da nicht auszuschließen sei, dass Patienten unter einer Insulintherapie ein erhöhtes Krebsrisiko aufweisen: „Dosis-Wirkungs-Studien zeigen, dass die Inzidenz von Krebs höher ist bei Diabetikern, die einen hohen Insulinverbrauch haben“, so Häussler.

Treat-to-Target – aber ohne Hypoglykämie
Problematisch bei einer insulinotropen Behandlung ist laut Matthaei zudem das Hypoglykämierisiko. So lassen sich einerseits Folgekomplikationen des Diabetes vor allem durch die Strategie „Treat-to-Target“ abwenden, also durch eine Reduktion der Blutglukosewerte bis in den durch die Leitlinie vorgegebenen Zielbereich. Allerdings müsse dies laut Matthaei andererseits unter konsequenter Vermeidung von Hypoglykämien geschehen, denn diese steigere aktuellen Daten zufolge das kardiovaskuläre Risiko erheblich.

„Sie sind hinsichtlich des Mortalitätsrisikos noch gravierender einzustufen als der Zustand nach einem Myokardinfarkt“, so Matthaei. Auf das Vermeiden von Hypoglykämien ist nach seinen Worten deshalb strikt zu achten. Das gelte auch für den Fall, dass eine Insulintherapie erforderlich werde, wie dies infolge des progressiven Krankheitsverlaufs früher oder später bei der Mehrzahl der Patienten der Fall sei.

Dass Hypoglykämien beim Typ-2-Diabetes ein relevantes Problem darstellen, dokumentieren nach Professor Dr. Dr. Diethelm Tschöpe, Bad Oeynhausen, die ersten Daten aus DiaRegis, einem prospektiven Diabetes-Register, in dem ambulante Daten von Patienten mit Typ-2-Diabetes aus etwa 300 Arztpraxen unter Versorgungsbedingungen evaluiert werden. In der 24-monatigen Nachbeobachtungszeit, die bis Mai 2012 läuft, werden laut Tschöpe in erster Linie Hypoglykämien registriert. Darüber hinaus wurde bei Einschluss der Patienten die Hypoglykämierate retrospektiv für die vergangenen 12 Monate erfasst(2).

Triggern Hypoglykämien die Komorbidität beim Diabetes?
In der Auswertung der Baselinedaten konnten nach Tschöpe 3.810 Register-Patienten berücksichtigt werden. Der HbA1c-Wert lag nach Angaben des Mediziners im Mittel bei 7,4 Prozent, und 10,7 Prozent der Patienten berichteten anamnestische Hypoglykämien. Dabei habe sich ein deutlicher Zusammenhang mit der Einnahme insulinotroper Antidiabetika wie den Sulfonylharnstoffen ergeben (3).

Bei rund einem Viertel der Registerpatienten habe bereits eine vaskuläre Erkrankung vorgelegen. „Es zeigte sich aber kein Zusammenhang zur glykämischen Kontrolle, wohl aber zu anamnestisch berichteten Hypoglykämien“, sagte der Diabetologe. Bei der weiteren Beobachtung blieb dieses initiale Muster laut Tschöpe erhalten, und als alarmierend bezeichnete er aktuelle, bislang noch nicht publizierte Auswertungen nach einer einjährigen Beobachtungsdauer. Sie legen einen engen und kausalen Zusammenhang zwischen Hypoglykämien und der Komorbidität der Patienten nahe – und das bis hin zum häufigeren Auftreten von Depressionen.

» Hypoglykämien müssen als Therapiekomplikation ernst genommen
werden. «
Professor Dr. Dr. Diethelm Tschöpe, Bad Oeynhausen

Die Hypoglykämierate sei dabei vor allem hoch gewesen bei Patienten, die auch anamnestisch Hypoglykämien berichtet hatten. Es ist deshalb laut Tschöpe ratsam, bei Typ-2-Diabetikern routinemäßig frühere Hypoglykämien zu erfragen und als Kriterium für die Therapiesteuerung zu nutzen. Unbestreitbar sei dabei ein Zusammenhang des Auftretens schwerer Unterzuckerungen mit einer insulinotropen Behandlung, während andere Therapieregime wie etwa die DPP-4-Hemmer nicht mit dem Risiko für Unterzuckerungen einher gingen. Tschöpe: „Wir haben gute Werkzeuge, um bei der Therapie Hypoglykämien zu vermeiden“.

Eine gute Versorgung sichern
Neben der strikten Blutzuckereinstellung und der Vermeidung von Hypoglykämien muss ein zentrales Ziel des Diabetesmanagements nach Privatdozent Dr. Bernhard Kulzer, Bad Mergentheim, darin bestehen, den Patienten eine möglichst hohe Lebensqualität zu sichern, so dass sie trotz Diabetes ein weitgehend normales und erfülltes Leben führen können. „Dieses Ziel wird leider in der Praxis bislang nicht erreicht“, mahnte Kulzer.

Es bedarf zudem nach Sabine Schulze, Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), vermehrter Anstrengungen, um die ambulante Versorgung der Patienten vor allem in ländlichen Regionen sicherzustellen und es darf, so Sabine Westermann, Rechtsanwältin aus Berlin, keinesfalls zu weiteren Restriktionen und Rationierungen bei der Diabetestherapie kommen.


Impressum

Beilage in Diabetes, Stoffwechsel und Herz 1/2012, Verlag Kirchheim + Co GmbH, Kaiserstr. 41, 55116 Mainz, Telefon 06131/96070-0
Redaktion: Christine Vetter, mit freundlicher Unterstützung von Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KG und AstraZeneca GmbH


Materialnummer: 1671700/12

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Sonderveröffentlichung

Die Online-Frage

„Wie hoch ist der Anteil der von Ihnen betreuten Typ 2-Diabetiker, die symptomatische Hypoglykämien entwickeln?“

weniger als 25 Prozent

etwa 30 Prozent

weitaus mehr als 30 Prozent

Die Diabetes-Allianz von Bristol-Myers Squibb und AstraZeneca

Diabetes mellitus Typ 2 erfordert eine langfristige therapeutische Begleitung. Medikamentöse Behandlungskonzepte sind zentraler Bestandteil eines umfassenden Diabetes-Managements. Bristol-Myers Squibb und AstraZeneca haben die Expertise und Innovationskraft beider Unternehmen in einer Allianz gebündelt, um gemeinsam zukunftweisende Behandlungskonzepte bei Diabetes Typ 2 zu entwickeln. Mit dem DPP-4-Hemmer Saxagliptin (Onglyza®), der eine signifikante blutzuckersenkende Wirkung auf alle drei Parameter der Glukosetriade bei gleichzeitig guter Verträglichkeit zeigt (4, 5), bietet die Allianz schon heute eine innovative Therapieoption für Typ-2-Diabetiker. Gemeinsam arbeitet die Allianz weiter daran, die Zukunft für Typ-2-Diabetiker nachhaltig lebenswert zu gestalten.
Literatur:
(1) International Diabetes Federation (IDF), www.idf.org, Diabetes Atlas, third edition
(2) Bramlage P et al., Cardiovasc Diabetol 2010; 9: 53
(3) Tschöpe D et al., Cardiovasc Diabetol 2011; 10: 66
(4) Dhillon S et al., Drugs 2009; 69 (15): 2103-2114
(5) Fachinformation Onglyza® 2,5 mg/5 mg, November 2011